-
A
-
Abbauende
Schneeumwandlung: Neuschneekristalle vereinfachen ihre Form im
Bestreben, die Kugelform zu erreichen. Damit verbunden ist eine
Setzung und Verfestigung des Neuschnees.
-
Abstrahlung,
Ausstrahlung: Aussenden von Wärmestrahlung von der Schneeoberfläche
an die Atmosphäre. Bei klarem Himmel kühlt sich die Schneeoberfläche
dabei deutlich (einige Grad bis rund 20) unter die Lufttemperatur
ab.
-
Altschnee(decke):
Teil der Schneedecke, der im Gegensatz zu Neuschnee in
vorangegangenen Niederschlagsperioden abgelagert wurde. Die
Altschneedecke besteht aus umgewandelten Kornformen.
-
Anrissbreite:
Breite des Anrisses (bei Schneebrettlawinen), maximale Distanz
zwischen den seitlichen Grenzen der Anrissfläche.
-
Anrissgebiet,
Anrisszone: Geländebereich, aus dem die Lawine abbricht.
-
Anrisshöhe:
Dicke der Schneedecke lotrecht am Hang gemessen.
-
Anrisslänge,
Länge des Anrisses (bei Schneebrettlawinen): Länge eines
Schneebrettes, gemessen von der
obersten Anrisskante bis zum Stauchwall.
-
Anrissmächtigkeit,
Dicke (bei Schneebrettlawinen): Dicke der Schneedecke am
Lawinenanriss senkrecht auf den Hang gemessen.
-
Aufbauende
Schneeumwandlung: Wachstum von Schneekristallen zu kantigen
Kristallen und becherartigen Hohlformen. Große Kristalle werden
immer größer, kleine werden aufgelöst. Führt zu einem
Festigkeitsverlust in der umgewandelten Schneeschicht. Findet vor
allem in Schattenlagen, bei kleinen Schneehöhen, im Frühwinter und
bei staudenartiger Vegetation statt.
-
Ausapern
(der Schneedecke): Abschmelzen der Schneedecke, so dass der Boden
ganz oder teilweise zu Tage tritt.
-
B
-
Bindungsarme
Schneeschicht: Schicht mit schwachen Bindungen im Korngefüge.
-
Bodenlawine:
Lawine, die in der Anrisszone auf dem Boden abgleitet.
-
Bruchharsch:
Nicht tragfähiger Harschdeckel, der bei Belastung durch
Wintersportler einbricht.
-
Bruchschicht:
Schicht in der Schneedecke, in der ein Bruch im Gefüge der
Schneekristalle stattgefunden hat.
-
C
-
Couloir:
Steile Rinne, meist in kammnaher Lage und begrenzt von blankem Fels.
Oft mit Schutt durchsetzt. Bevorzugter Ort für die Bildung von
Triebschneeansammlungen.
-
D
-
Durchfeuchteter
Schnee: Eine durchfeuchtete Schneeschicht hat eine Temperatur von 0°C,
Wasser lässt sich nicht auspressen.
-
Durchnässter
Schnee: Eine durchnässte Schneeschicht hat eine Temperatur von 0°C.
Wasser ist sichtbar und kann ausgepresst werden.
-
E
-
Eingewehte
Hangzone: Hangbereich, in den durch Wind zusätzlich Schnee
eingetragen wurde.
-
Einstrahlung:
Strahlung, die auf die Schneedecke trifft. Die kurzwellige Strahlung
(sichtbares Licht) wird je nach Schneeart zu rund 90% an der Oberfläche
reflektiert. Der Rest erwärmt die obersten Zentimeter der
Schneedecke. Langwellige Einstrahlung (Wärmestrahlung) wird
praktisch zu 100% von der Schneedecke aufgenommen.
-
Einzugsgebiet
(von Lawinen): Gebiet, aus dem eine oder mehrere Lawinen abgehen können.
Von Einzugsgebiet spricht man meist im Zusammenhang mit Tallawinen.
-
Eislamelle:
Durch Regen oder Schmelz- und Gefrierprozesse entstandene, dünne
Eisschicht in der Schneedecke, in der keine einzelnen Kornformen
erkennbar sind.
-
Exponiert:
Ausgesetzt gegenüber Wind, Himmelsrichtung, Sonne, Lawinen oder
allgemein einer Gefahr.
-
Exponierter
Verkehrsweg: Besonders der Gefahr von Lawinen ausgesetzter Teil
einer Straße, Bahnlinie oder eines anderen Verkehrsträgers.
-
Exposition,
Hangrichtung: Himmelsrichtung, in die ein Hang abfällt. Ein
Nordhang fällt z.B. nach Norden ab.
-
Extremes
Steilgelände: Extremes Steilgelände ist gekennzeichnet durch Gelände
mit Hangneigungen über 40°, Kammnähe, ungünstige Geländeformen
sowie Bodenbeschaffenheit. Daher ist es besonders lawinengefährdet.
-
F
-
Felswandfuß:
Unteres, sichtbares Ende einer Felswand, wo die Bodenoberfläche von
einer Felswand oft in Geröll übergeht. Damit verbunden ist in der
Regel ein Geländeknick unterschiedlicher Ausprägung, wobei die
Hangneigung
unten abnimmt. Am Felswandfuß beginnt meist extrem steiles
Gelände.
-
Fernauslösung:
Auslösung einer Schneebrettlawine aus der Distanz. Der auslösende
Wintersportler befindet sich dabei nicht innerhalb der abgleitenden
Schneetafel (kann aber natürlich vom abgleitenden Schnee von oben
erfasst und verschüttet werden).
-
Festigkeit
(im Schnee): Die Fähigkeit, Kräfte im Kristallgefüge einer
Schneeschicht zu übertragen, begründet durch Anzahl und Qualität
der Bindungen zwischen den Eiskristallen.
-
Festigkeitsabnahme,
-verlust (in einer Schneeschicht): Bindungen zwischen den
Eiskristallen werden schwächer bzw. gehen verloren, so dass die Fähigkeit
der Kräfteübertragung zwischen den Kristallen abnimmt.
-
Festigkeitszunahme
(in einer Schneeschicht): Bindungen zwischen den Eiskristallen
(Anzahl und/oder Qualität der Bindungsstellen) nehmen zu, so dass
größere Kräfte zwischen ihnen übertragen werden können.
-
Firn:
Schnee – meist auf Gletschern – der vergangenen Jahre, stark
umgewandelt und verdichtet durch Schmelzen und Wiedergefrieren sowie
durch Druck der überlagernden Schneemassen. Im Volksmund auch
verwendet für den oberflächlich aufgeweichten Harschdeckel der
saisonalen Schneedecke.
-
Fließlawine:
Lawine, deren Bewegung, im Gegensatz zu Staublawinen, vorwiegend
fließend oder gleitend auf der Unterlage erfolgt.
-
G
-
Gefahr:
Zustand, Umstand oder Vorgang, aus dem ein Schaden entstehen kann.
-
Gefahrenstelle
(bei Lawinen): Ort, an der Personen oder Objekte von Lawinen erfasst
werden können. Achtung: Im Lawinenlagebericht meist verwendet in
folgendem Sinn: Stelle, an der es bei Belastung durch Wintersportler
zur Lawinenauslösung kommen kann. Anmerkung: In der Praxis wird die
verwendete Bedeutung des Begriffs aus dem textlichen Zusammenhang im
Lagebericht
klar.
-
Gesicherte
Gebiete: Gebiete, in denen die Lawinengefahr oder andere alpine
Gefahren durch technische Schutzmaßnahmen oder künstliche
Lawinenauslösung beseitigt wurde.
-
Gleiten,
Schneegleiten: Langsame Hangabwärtsbewegung der Schneedecke, begünstigt
durch glatten (langes Gras, Felsplatten) oder feuchten Untergrund
(einige Millimeter bis Meter pro Tag). Dabei können
Gleitschneerisse oder Fischmäuler (Gleitschneemäuler) entstehen.
-
Gleitfläche:
Der Boden oder jene Schicht in der Schneedecke, auf der die Lawine
nach einem Bruch abgleitet. Nicht zu verwechseln mit der
Schwachschicht.
-
Gleitschneerutsch/-lawine:
Wenn das Schneegleiten (Gleiten) in die deutlich schnellere
Lawinenbewegung übergeht, spricht man von einem Gleitschneerutsch
(vgl. Rutsch) oder einer Gleitschneelawine. Abgänge sind zu jeder
Tages- und Nachtzeit möglich.
-
Grat:
Schmale Kammlinie eines Berges. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Kamm.
-
Graupel:
Sonderform des Neuschnees: Durch das Anfrieren von Wassertröpfchen
in der Atmosphäre entstandene rundliche Schneekörner.
-
Grundlawine:
Schwere, nasse Frühjahreslawine, die in ihrer Sturzbahn
stellenweise die Bodenoberfläche mitreißt und deshalb oft mit Erde
und Schutt vermischt ist. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Bodenlawine
-
H
-
Hangkante:
Von Hangkante spricht man, wenn die Neigung innerhalb eines Hanges
markant zunimmt. Bevorzugter Ort für die Bildung von
Triebschneeansammlungen. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Hangneigung
-
Hangnaher
Verkehrsweg: Verkehrsweg im Hangbereich oder am Fuß eines Hanges,
welcher der Gefahr von Lawinen ausgesetzt ist.
-
Hangneigung:
mässig steil = weniger als 30°, steil = 30 bis 35°, sehr steil =
35 bis 40°, extrem steil = über 40°, Hangneigung, gemessen in der
Falllinie an der steilsten Stelle im Hang im Kartenmaßstab 1:25.000
oder im Gelände geschätzt.
-
Harsch:
Durch Schmelz- und Gefrierprozesse oder durch Wind stark verfestigte
Schneeschicht.
-
Harschdeckel:
Harsch an der Oberfläche der Schneedecke.
-
Hochalpine
Regionen: Gebiete oberhalb von rund 3000 m. Sie umfassen
insbesondere die vergletscherten Gebiete.
-
Höhenlage:
Geländebereich, der durch die Meereshöhe begrenzt wird
(Genauigkeit von plus/minus rund 100 hm). Hohe Lagen: 2000 bis 3000
m, mittlere Lagen: 1000 bis 2000 m, tiefe Lagen: unterhalb von 1000
m.
-
K
-
Kammfern,
freie Hanglage: Gebiet, das nicht direkt in Verbindung mit dem Kamm
steht. Erweiterte Erklärungen: Vielfach entspricht dies dem Übergang
aus extremem Steilgelände ins Steilgelände. Auch Steilstufen und
kleinere Erhebungen, die nicht direkt mit dem Kamm zusammenhängen
gehören in dieses Gebiet. Kammnahe und kammferne Gebiete sind nicht
scharf voneinander getrennt. Die Grenze ist als Bandbreite zu
verstehen.
-
Kammlage,
kammnah, gratnah, gipfelnah: Gebiet, das direkt an den Kamm, bzw.
Grat oder Gipfel angrenzt und besonders stark durch den Wind
beeinflusst wird.
-
Künstliche
Lawinenauslösung: Auslösung von Lawinen durch das Aufbringen von
Zusatzbelastungen auf die Schneedecke (z.B. Belastung durch
Detonationsdruckwellen bei Sprengungen, Maschinen, Personen)
-
L
-
Länge
der Lawine: Die Gesamtlänge einer Lawine, gemessen vom obersten
Punkt des Anrisses bis zum vordersten Punkt der Ablagerung.
-
Lawine
(Schneelawine): Schnelle Massenbewegung des Schnees mit einem
Volumen von mehr als 100 m³ und einer Länge von mehr als 50 m.
Vergleiche in diesem Zusammenhang: Rutsch.
-
Lawinengröße:
Ausmaß der Lawine, klassifiziert nach Auslauflänge, Volumen und
Schadenspotential.
-
Lawinenhäufigkeit:
(sehr) wenige = 0 – 10 Lawinen/100 km², einige = 10 – 30
Lawinen/100 km², viele = 30 – 100 Lawinen/100 km², bezieht sich
auf lawinenrelevantes Gelände steiler als 25. Beispiele für Flächen
mit 100 km² sind: Ein Tal 5 km x 20 km oder eine Bergregion 10 km x
10 km.
-
Lee-Hang,
Windschattenhang: Hang, der dem Wind abgewandt ist. Hier wird viel
Schnee abgelagert und es liegt oft ein Mehrfaches der mittleren
Schneehöhe. Vergleiche in diesem Zusammenhang: Luv-Hang.
-
Lockerschneelawine:
Lawine (trocken oder nass) die an einem Punkt beginnt und sich in
einer typischen birnenförmigen Form ausbreitet.
-
Luv-Hang,
windexponierter Hang: Hang, der dem Wind zugewandt ist. Vergleiche
in diesem Zusammenhang: Lee-Hang.
-
M
-
Möglich
(etwas ist möglich): Vorgang mit Eintrittswahrscheinlichkeit unter
66% (Zweidrittelgrenze).
-
Mulde:
Runde oder längliche, sanfte Vertiefung in flachem Gelände oder in
einem Hang. Bevorzugter Ort für die Bildung von
Triebschneeansammlungen.
-
N
-
Nassschneelawine:
Lawine aus nassem Schnee. Fließt meist langsamer als eine
Trockenschneelawine und hat deshalb eine kürzere Auslaufstrecke.
Wegen ihrer größeren Dichte übt sie auf Hindernisse trotzdem beträchtliche
Kräfte aus.
-
Neuschnee:
Wenig umgewandelter und wenig verfestigter Schnee der aktuellen oder
einer kurz zurückliegenden Niederschlagsperiode. Im
Lawinenlagebericht wird der entsprechende Zeitraum angegeben.
Vergleiche in diesem Zusammenhang: Altschnee, Neuschneemenge,
Neuschneesumme.
-
Neuschneemenge:
in 24 Stunden abgelagerter Neuschnee.
-
Neuschneesumme:
Summe der täglichen Neuschneemengen über einen bestimmten Zeitraum
(z.B. 3-Tages-Neuschneesumme). Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Schneehöhenzuwachs.
-
Nullgradgrenze:
Höhe über dem Meer, mit einer Lufttemperatur von 0°C in der
freien Atmosphäre.
-
O
-
Oberflächenreif:
Transparente, plättchenförmige Eiskristalle, die sich durch das
Ausfällen von Feuchtigkeit (Sublimation) aus der Luft an der kalten
Schneeoberfläche bilden. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Abstrahlung, Ausstrahlung, Gleitfläche.
-
Oberlawine:
Lawine, die im Anrissbereich auf einer Schneeschicht abgleitet.
Vergleiche in diesem Zusammenhang: Bodenlawine.
-
P
-
Passlage:
Tief liegender Übergang von einem Tal ins andere. Mit der Verengung
am Passübergang ist eine gegenüber der Umgebung erhöhte
Windgeschwindigkeit verbunden, was zu intensivierter
Schneeumlagerungen führt. Vergleiche in diesem Zusammenhang: Windstärken.
-
Rinne,
Runse: In der Regel steile und langgestreckte Erosionsfurche.
Bevorzugter Ort für die Bildung von Triebschneeansammlungen.
Vergleiche in diesem Zusammenhang: Couloir.
-
Rippe:
Längliche, vom umliegenden Gelände deutlich abgesetzte, talwärts
verlaufende Erhebung.
-
Risiko:
Wahrscheinlichkeitsbegriff, der sich zusammensetzt aus der
Ereigniswahrscheinlichkeit (kann es zum Ereignis kommen?), der Präsenzwahrscheinlichkeit
(hält sich jemand am Gefahrenort auf?) und der
Schadenswahrscheinlichkeit (wie groß kann der Schaden sein?)
Erweiterte Erklärungen: Im Lawinenbulletin wird die Lawinengefahr,
nicht das Lawinenrisiko beschrieben. Vergleiche in diesem
Zusammenhang: Gefahr.
-
R
-
Rissbildung:
In einer spröden Schneedecke können sich Risse bilden. Diese
deuten auf eine gewisse Spannung in der Schneedecke hin.
-
Rücken:
Langgestreckter, abgerundeter Geländeteil, der sich von der
Umgebung abhebt.
-
Rutsch,
Schneerutsch: Hangabwärtsbewegung einer kleinen Schneemasse von
weniger als 100 m³ Volumen und 50 m Länge, die im Gegensatz zu
einer Lawine meist keine wesentliche Gefahr darstellt. Es besteht
aber Mitreiß- und Absturzgefahr.
-
S
-
Schattenhang,
schattenseitig, schattseitig: Geländeteil, welcher durch die
Sonnenstrahlung nicht oder nur unbedeutend beeinflusst wird.
Erweiterte Erklärungen: Im Hochwinter mit tiefem Sonnenstand weiter
verbreitet als im Frühling mit höher werdendem Sonnenstand. Je
nach Abschattung durch den Nahhorizont kommen Schattenhänge in
allen Expositionen und nicht nur in Nordhängen vor.
-
Schmelzharsch:
Entsteht durch das Gefrieren des freien Wassers in einer nassen
Schneeschicht. Damit verbunden: Festigkeitszunahme. Vergleiche in
diesem Zusammenhang: Schmelzumwandlung, Harsch, Harschdeckel.
-
Schmelz-Umwandlung:
Schneeumwandlung durch Wärmezufuhr bei 0°C. Es entsteht ein
Gemisch aus Eiskristallen und Wasser. Damit verbunden sind
Festigkeitsverluste. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Schmelzharsch, durchfeuchteter Schnee, durchnässter Schnee.
-
Schneebrettlawine:
Lawine, die durch den Abbruch einer Schneetafel entsteht. Die
Schneebrettlawine ist durch einen linienförmigen, quer zum Hang
verlaufenden Anriss charakterisiert.
-
Schneedecke:
Auf dem Boden in verschiedenen Schichten abgelagerter Schnee.
-
Schneedeckenaufbau:
Schichtabfolge der Schneedecke, pro Schicht charakterisiert durch
die Kornformen, Korngrössen, Härte, Temperatur, Wassergehalt und
Dichte.
-
Schneedeckenfundament,
Basisschichten: Die untersten Schichten, respektive unterster und
bodennaher Teil einer Schneedecke.
-
Schneefallgrenze:
Höhe über Meer, bis zu welcher der Niederschlag überwiegend als
Schnee fällt und am Boden liegen bleibt. Sie liegt im Mittel 300 m
tiefer als die Nullgradgrenze. Bei intensiven Niederschlägen
und/oder abgeschlossenen Tälern kann sie auch bis zu 600 m unter
die Nullgradgrenze absinken.
-
Schneefegen:
Umlagerung von Schnee durch den Wind direkt über der Schneedecke
(die Horizontalsicht wird nicht merklich behindert). Vergleiche in
diesem Zusammenhang: Schneetreiben.
-
Schneegrenze:
Grenzlinie (angegeben in Höhe über Meer) zwischen schneebedecktem
und schneefreiem Gelände. Die Schneegrenze kann je nach Exposition
in unterschiedlichen Höhenlagen liegen.
-
Schneehöhe:
Lotrecht gemessene Höhe der Schneedecke.
-
Schneehöhenzuwachs:
Zunahme der Schneehöhe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
-
Schneemächtigkeit:
Senkrecht auf den Hang gemessene Dicke der Schneedecke.
-
Schneetreiben:
Hochreichende Umlagerung von Schnee durch den Wind über der
Schneedecke (die Horizontalsicht wird behindert). Vergleiche in
diesem Zusammenhang: Schneefegen.
-
Schneeumwandlung
(Metamorphose): Änderung der Kornformen und des Gefüges im Schnee.
Vergleiche in diesem Zusammenhang: Abbauende Schneeumwandlung,
Aufbauende Schneeumwandlung, Schmelz-Umwandlung.
-
Schneeverfrachtung:
Durch den Wind hervorgerufene Umlagerung von Schnee.
Schneeverfrachtung beginnt ab rund 4m/s (ca. 15km/h)
Windgeschwindigkeit bei lockerem und ab 10m/s (35km/h) bei etwas
verfestigtem Schnee. Erweiterte Erklärungen: Die Schneeverfrachtung
wächst in der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Doppelte
Windgeschwindigkeit ergibt achtfache Menge an verfrachtetem Schnee!
Ein Verfrachtungsmaximum wird bei Windgeschwindigkeiten um 50 bis 80
km/h erreicht, danach nimmt die Erodierbarkeit der Schneedecke ab.
-
Schwachschichten,
schwache Schichten: Schichten innerhalb der Schneedecke, die eine
geringe Festigkeit aufweisen, so dass Brüche im Kristallgefüge
entstehen und sich fortsetzen können. Typische Schwachschichten
sind: eingeschneiter Oberflächenreif, aufbauend umgewandelte
Schichten oder überdeckter lockerer Neuschnee.
-
Selbstauslösung
von Lawinen, spontane Lawinen: Auslösung von Lawinen ohne
Fremdeinwirkung auf die Schneedecke.
-
Setzung:
Abnahme der Schneehöhe als Folge der abbauenden Umwandlung. Damit
verbunden: Zunahme von Dichte und Festigkeit des Schnees.
-
Sonnenhang,
sonnenseitig, sonnseitig: Geländeteil, welcher durch die
Sonnenstrahlung stark beeinflusst wird. Typische Sonnenhänge liegen
in den Expositionen von Ost über Süd bis West, in Abhängigkeit
des tageszeitlichen Sonnenstandes. Erweiterte Erklärungen: Im
Hochwinter mit tiefem Sonnenstand weniger verbreitet als gegen den
Frühling mit höher werdendem Sonnenstand.
-
Spannungen
(in der Schneedecke): Belastung der Kornbindungen in einer
Schneeschicht, hervorgerufen durch das Gewicht und die hangabwärts
gerichtete Eigenbewegung des überlagernden Schnees.
-
Spontanlawine:
siehe Selbstauslösung von Lawinen.
-
Stabilisiert,
verfestigt: siehe: Festigkeitszunahme.
-
Stabilität,
Schneedeckenstabilität: Fähigkeit der Schneedecke, durch inneren
Widerstand äußeren Einflüssen entgegen zu wirken. Die Stabilität
wird durch die Festigkeiten und Spannungen in den einzelnen
Schneeschichten bestimmt.
-
Staublawine:
Lawine (meist Schneebrettlawine) aus feinkörnigem, trockenem
Schnee, die ein Schnee-Luft-Gemisch bildet, sich teilweise oder ganz
vom Boden abhebt und große Schneestaubwolken entwickelt. Sie
erreicht Geschwindigkeiten von 100-300 km/h und kann starke
Luftdruckwellen erzeugen, wodurch auch außerhalb der
Ablagerungszone Schäden verursacht werden.
-
Steilgelände:
Gelände mit Hangneigung größer als 30°, ungeachtet seiner Form
und Beschaffenheit.
-
Störanfällig
(Schneedecke, Schneeschicht): Eine Schneedecke ist störanfällig,
wenn es bei Zusatzbelastung in einer Schicht der Schneedecke zum
Bruch kommen kann. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Schwachschichten
-
Strahlung:
Energietransport mit Hilfe elektromagnetischer Wellen. Man
unterscheidet die kurzwellige (sichtbares Licht) und die langwellige
Strahlung (Wärmestrahlung). Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Abstrahlung, Einstrahlung
-
Sulzschnee:
Grobkörniger, feuchter Schnee, der vor allem im Frühling durch
wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren der Oberflächenschichten
der Schneedecke entsteht.
-
T
-
Talflanke:
Seitliche Begrenzung eines Tales vom Talboden bis zum Kammbereich.
-
Tallawine:
Große Lawine, die bis in den Talbereich vordringt.
-
Temperaturgradient:
Änderung der Temperatur über eine Distanz, ausgedrückt als °C/m.
In der Schneedecke wird jeweils vertikal vom Boden gegen die
Schneeoberfläche gemessen. Als „klein“ gilt ein
Temperaturgradient von
z.B. 1 °C pro Meter, als „groß“ von z.B. 25 °C pro Meter.
-
Tragfähige
Schneedecke: Oberflächlich verfestigte Schneedecke, die das Gewicht
einer Person trägt. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Festigkeiten.
-
Triebschnee:
Vom Wind verfrachteter und abgelagerter Schnee. Vergleiche in diesem
Zusammenhang: Triebschneeansammlung, Triebschneeablagerung.
-
Triebschneeansammlung,
Triebschneeablagerung: Ist das Ergebnis der Schneeverfrachtung: Im
Windschattenbereich abgelagerte, mehr oder weniger dicht gepackte
Schneeschicht mit oft spröden (zerbrechlichen) Kornbindungen.
Bevorzugte Ablagerungsbereiche liegen in kammnahen Hängen, Rinnen,
Mulden oder an Hangkanten. Erweiterte Erklärungen: Schnee, der vom
Wind verfrachtet wurde, wobei die Schneekristalle durch
Rollbewegungen, Hüpfen, Abheben und Aufschlagen stark zertrümmert
und auf 10 bis 20% der ursprünglichen Größe verkleinert werden.
Die kleinen Bruchstücke werden vom Wind bei der Ablagerung
ineinander gerüttelt, so dass vor allem im Leehang (dem Wind
abgekehrt) eine geschichtete, dichte Packung entsteht. Der Schnee
ist dann gebunden, kann aber durchaus noch weich sein. Durch die
Verdichtung entstehen spröde (zerbrechliche) Schneebretter.
-
Größe
der Triebschneeablagerungen (Mächtigkeit): Kleine
Triebschneeablagerung: 5 - 20 cm mächtig, mittlere
Triebschneeablagerung: 20 - 50 cm mächtig, große
Triebschneeablagerung: über 50 cm mächtig.
-
U
-
Umfang
der Triebschneeablagerungen (räumlich): Vereinzelte/einzelne
Triebschneeablagerungen: wenige Triebschneeablagerungen von meist
geringer räumlicher Ausdehnung, umfangreiche
Triebschneeablagerungen: zahlreiche, meist große
Triebschneeablagerungen an Hängen verschiedener Exposition.
-
Umfang
der Gefahrenstellen: Vereinzelte/einzelne: weniger als 10 % der Hänge,
einige: 10 bis 30 % der Hänge, viele: mehr als 30 % der Hänge,
zahlreiche/an den meisten Hängen: mehr als 66 % (Zweidrittel) der Hänge.
-
V
-
Verfestigung
(Festigkeitszunahme): siehe: Festigkeitszunahme.
-
W
-
Wächte:
Durch Schneeverfrachtung hervorgerufene, stark verdichtete
Schneeablagerung direkt auf der windabgewandten Seite eines Grates
mit keilförmigem Überhang auf die Leeseite.
-
Wahrscheinlich
(etwas ist wahrscheinlich): Vorgang mit Eintrittswahrscheinlichkeit
über 66 %. Erweiterte Erklärungen: Hintergrundüberlegung:
Russisches Roulette ab vier Kugeln im sechsschüssigen Revolver wird
es „wahrscheinlich“, dass das Roulette zu Ungunsten des Spielers
ausgeht...
-
Waldgrenze:
Klimatisch und waldgeschichtlich bedingte Grenzzone, bis zu der ein
Wald noch eine lawinenschutzwirksame Funktion ausüben kann. Alpensüdhang
und Voralpen: 1650 -1850 m, Nördlicher Alpenkamm: 1800 -2000 m,
Engadin, bzw. Inneralpin: 2000-2200 m.
-
Windabgewandt:
siehe: Lee-Hang.
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Windexponiert:
siehe: Luv-Hang.
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Windharsch,
Windharschdeckel: Durch den Wind stark verfestigte Schicht an der
Oberfläche der Schneedecke. Vergleiche in diesem Zusammenhang:
Harsch, Bruchharsch, tragfähige Schneedecke.
-
Windschattenhang:
siehe: Lee-Hang.
-
Windstärke:
schwach: 0 – 20 km/h, mäßig (inkl. mäßig bis stark): 20 – 40
km/h, stark (inkl. stark bis stürmisch):
40 – 60 km/h, stürmisch (inkl. Sturm und schwerer Sturm): 60 –
100 km/h, orkanartiger Sturm: >100 km/h.
-
Z
-
Zusatzbelastung:
a) kleine/geringe Zusatzbelastung: Einzelner Skifahrer oder
Snowboarder, sanft schwingend, nicht stürzend, Gruppe mit
Entlastungsabständen (mindestens 10 m), Schneeschuhgeher. b) große
Zusatzbelastung: Zwei oder mehrere Skifahrer / Snowboarder etc. ohne
Entlastungsabstände, Pistenfahrzeug, Schneefeldsprengung, einzelner
Fussgänger/Alpinist.